Erfolge der Unterhaltungsindustrie

Wir denken häufig genug an die ungeliebten Mehrzeiler, jene wir in Schulzeiten auswendig lernen und dann vor der ganzen Klasse oder aber im Kreis der Familie aufsagen durften. Solche Werke haben sicherlich gerade deshalb eine zweischneidige Berechtigung in das allgemeine Empfinden für Unterhaltungsliteratur eingebrannt. Da sind zum einen die Gedanken an Zwänge, an langweilige und quälende Stunden der Beschäftigung mit Worten, die einem als unreife Schulkinder nicht viel sagten - und andererseits hat dann doch der eine oder andere seine frühen eigenen schöpferischen Erlebnisse mit einem poetischen Werk gemacht: ein Sprüchlein auf einen wenig gemochten Dozenten, etwas gedichtetes zur Feier eines Mitschülers, ein verliebtes Bekenntnis gar?

Von den frühen erzählenden Dramen der Geschichte über Gesang, Sonette und Balladen bis hin zu PoetrySlam haben Gedichte eine mächtige Geschichte durchlaufen. Wenn man in der Folge erfährt, dass Umfragen eben für das Genre der Literatur einen erheblichen Niedergang des allgemeinen Interesses entpuppt haben, kann man sich eigentlich nur wundern, denn moderne Schriftsteller sind eigentlich in aller Munde - oder treffender: Gehörorgan.
Sind es nicht die gegenwärtigen Top-Hits, die uns die ungebrochene Aktualität des lyrischen Ausdrucks beweisen? Lyrik, wohin man horcht - in jeder erdenklichen Sprache der modernen Unterhaltungsbranche … lediglich eben: gesungen!

Poetische Arbeiten säumen unseren Alltag fast unmerklich und dennoch omnipräsent. Die großen Erfolge der Unterhaltungsindustrie, das sind die Romane und deren Umsetzung im Kino. Jedoch wer schon am Morgen Radio hört, zu beliebiger Zeit in ein Shoppingcenter einkaufen geht oder durch eine Fußgängerzone spaziert … er wird Dichtkunst hören: als Songs.
Und später … die bedeutenden Feiern unseres Lebens sind einhergehend mit Glückwunschkarten oder Werken bei Vorträgen - noch betont durch die lyrische Kunst, über ein paar Zeilen, die sich in Reim oder frei, gleichförmig vermittel sollen.